Wie ensteht ein Brand, was versteht man unter einer „Marke“, wie kann der Branding-Prozess im Netz ablaufen? Diese spannenden Fragen habe ich Sabrina Freier, meiner Interview Partnerin im Experteninterview diese Woche gestellt. Sabrina Freier ist Projektmanagerin bei der Internet- und Werbeagentur cybob in Osnabrück. In ihrer Arbeit verbindet sie traditionelle Kommunikation für Unternehmen mit dem technischen Know-How und den Möglichkeiten von SEO, Content Marketing und Online Marketing.

Neben ihrer Arbeit betreibt Sabrina außerdem einen erfolgreichen BlogSEO-Diaries, auf dem sie über aktuelle Geschehnisse in der SEO-Landschaft, hilfreiche Tools und Literatur, sowie die Basics im Business berichtet. Im Interview geht es sowohl um diese Basics, als auch um die spannende Frage nach dem Branding-Prozess einer Marke, und was das mit Zielgruppen, Brand-Kategorien und der richtigen Kundenansprache zu tun hat. 

 

1. Hallo Sabrina, schön, dass du dir die Zeit genommen hast, uns ein paar Fragen über SEO, Online Marketing und Branding zu beantworten. Lass uns am besten gleich loslegen. 😉 Kannst du dich unseren Lesern kurz vorstellen und erzählen, wie du zu SEO gekommen bist?

Hallo Stefanie und Danke für die Chance über ein paar spannende Themen zu plaudern 😉 Ich bin Sabrina Freier und arbeite seit 2010 als SEO und SEA bei cybob. Die cybob communication GmbH ist eine Agentur, die sich Schwerpunktmäßig auf die Erstellung von Websites und Apps spezialisiert hat. Momentan bin ich noch die einzige im Team, die für SEM zuständig ist. Gemeinsam mit meinen Kollegen entwerfen wir Strategien, bauen Kunden- und eigene Projekte auf und lernen dabei jeden Tag was neues dazu. Für mich ist SEO eine Leidenschaft geworden, deshalb habe ich auch 2011 meinen Blog seo-diaries.de gegründet. Da der Blog nur ein Hobby von mir ist, ist es gar nicht so einfach, regelmäßig zu bloggen. Ich geb aber mein bestens, immerhin ist der Blog eine super Möglichkeit um sich mit den Kollegen aus der Branche auszutauschen.

 

2. Dein Blog SEO Diaries ist aufgeteilt in die Kategorien SEO, Linkbuilding, AdWords, Analytics, Tools und Case Studies. Warum gerade diese Unterteilung? Was macht diese Bereiche für dich am interessantesten?

Auf SEO-Diaries berichte ich über meine tägliche Arbeit und über die Erfahrungen die ich dabei mache. Da mein Themengebiet sehr breit ist, ist auch mein Blog relativ breit aufgestellt. Ich finde, als SEO ist es wichtig sich viel anzueignen. Natürlich muss man nicht alles können, aber es ist schon sinnvoll sich die Basics anzueignen. Außerdem probiere ich viel aus und versuche immer offen für Neues zu sein. Wenn ich dann etwas gefunden habe, was für andere ebenfalls nützlich sein kann, dann kommt es in den Blog. Der Austausch mit meinen Lesern ist mir enorm wichtig, weil so in kurzer Zeit viele unterschiedliche Erkenntnisse gesammelt werden können.  

 

3. Kürzlich hast du eine Umfrage zum Thema Branding, bzw. über die Frage „Was ist ein Brand?“ Welche Antworten hast du bekommen und waren überraschende Ansichten oder Vorschläge dabei?

Am überraschendsten war für mich, dass viele der Meinung sind, man müsse überdurchschnittlich viele Suchanfragen mit dem Brandnamen erzeugen. Das bedeutet ja, dass man versuchen muss, seine Marke ins Gedächtnis der Zielgruppe zu bekommen. Dies zu schaffen, ist eine ziemliche Herausforderung. Backlinks mit dem Brandnamen zu generieren ist zwar ebenfalls eine Herausforderung, aber ich denke, im Gedächtnis zu bleiben, ist definitiv schwieriger. Ich glaube aber auch, dass viele noch gar nicht wirklich wissen, was es bedeutet einen Brand aufzubauen. Schließlich gibt es keine Anleitung die man befolgen kann, um bei Google den sog. Brand-Status zu erhalten.  

 

4. Wie würdest du selbst diese Frage heute beantworten? Anders ausgedrückt: was ist denn nun ein Brand?

Grundsätzlich würde ich den Begriff „Brand“ in drei Bereiche aufteilen:

  1. ein großer Brand (Big-Player), wie z. B. Zalando
  2. ein Nischenbrand
  3. regionaler Brand

Sicherlich kann ein Nischenbrand zugleich auch ein regionaler Brand sein, das hängt von den Gegebenheiten ab. Für mich ist ein Brand (bei Google), z. B. eine Website die sich an ihrer Zielgruppe ausgerichtet hat und auf dessen Fragen, Wünsche und Bedürfnisse eingeht. Ein Brand kümmert sich intensiv um die Bindung zu seiner Zielgruppe und kennt diese aus dem FF. Für einen Brand ist es nicht wichtig möglichst viel Traffic zu erhalten, sondern mit den richtigen Leuten in Kontakt zu treten.  

 

5. Branding ist ein fortlaufender Prozess. Wie kann man als KMU oder als kleiner Blogger diesen Prozess für die eigene Seite oder das eigene Unternehmen vorantreiben?

Zu aller erst sollte man sich mit seiner Zielgruppe auseinander setzen. Das hört sich jetzt banal an, wird aber nur in den seltensten Fällen gemacht. Bei SEO-Diaries hatte ich selbst zu Beginn gedacht, dass alle SEOs zu meiner Zielgruppe gehören. Dass dies ein Trugschluss ist, stellte ich im Laufe der Zeit fest. Denn nicht die SEOs haben den Blog gelesen – ok, die auch – aber vor allem die Anfänger in diesem Bereich, gehörten zu meinen Lesern. Nachdem mir dies klar wurde, habe ich mich viel intensiver mit meinem Blog auseinander setzen können und Inhalte erstellt, die für die Zielgruppe relevant sind. Speziell für meine Zielgruppe habe ich auch die Kategorie „Tools“ angelegt. Ich habe gemerkt, dass es viele Leute gibt, die mit den SEO Tools noch nie gearbeitet haben. Da die Kosten z. T. aber sehr hoch sind, scheuen viele vor dem Einsatz zurück. Ich erhoffe mir, durch die Testberichte die Tools verständlicher zu machen, sodass die Leute leichter eine Entscheidung fällen können.

 

6. Kann Branding als Prozess auch rückläufig sein? Wie würde das dann aussehen, bzw. was können Auslöser dafür sein?

Wenn du mit rückläufig meinst, dass ein Brand bei Google nach und nach seinen Brand-Status verliert, dann ist dies durchaus möglich. Genau das wird passieren, wenn man sich nicht mehr um seine Website und um die Zielgruppe kümmert. Man kann sich den Prozess mit einem Auto vergleichen. Wenn ich mein Auto pflege und regelmäßig repariere, dann wird es mir lange erhalten bleiben. Genauso ist es mit dem Brand. Sobald ich aufhöre mich darum zu kümmern, verliere ich den über kurz oder lang den Brand-Status.

 

7. Welche allgemeinen Tipps kannst du unseren Lesern geben, um den eigenen Brand aufzubauen?

Im Laufe der letzten Jahre habe ich so einige Webseiten aufgebaut. Zu jeder Seite hatte ich eine Zielgruppe im Hinterkopf und dennoch habe ich mich damit oft nicht wirklich auseinandergesetzt. Ich habe Redaktionspläne und Content erstellt, anhand von Keywords mit hohem Suchvolumen. Hinzu kamen SEO- und Social-Media -Maßnahmen. Doch das alles reicht nicht aus, um einen Brand zu erschaffen. Erst wenn man wirklich versteht, wer sich hinter der Zielgruppe verbirgt und sich genau auf dessen Bedürfnisse einlässt und Lösungen entwickelt, erst dann kann man zur Marke werden. Es gibt diesen schönen Spruch, leider weiß ich nicht woher er stammt: „Eine Marke ist nicht das Problem – sie ist die Lösung“. Als Marke ist man die Lösung, also sollte man auch diese Lösung auch mit seiner Zielgruppe teilen. So nach dem Motto: „Hey, ich kenn dein Problem und ich kann dir helfen!“

 

8. Branding hängt oft auch mit Reputation, und die wiederum mit Visibility zusammen. Würdest du sagen, dass das eigene Branding direkt Einfluss auf die Visibility einer Webseite hat?

Auf jeden Fall. Je stärker ein Brand wird, umso höher ist auch die Sichtbarkeit. Eine Marke lebt davon, dass sie sich über diverse Kanäle – wie z. B. Mundpropaganda – verbreitet. Je mehr Leute die Marke also kennen, umso mehr reden über sie. Im Internet bedeutet dies, dass nicht nur per Mail über die Marke gesprochen wird, sondern auch öffentlich auf Facebook, Twitter & Co. Gleichzeitig werden Blogbeiträge verfasst, verlinkt und die Bekanntheit wächst immer weiter.

 

9. Linkbuilding ist ein anderer Bereich, in dem du sehr aktiv bist. Wie bedingen sich deiner Erfahrung nach Linkbuilding und ein Brand? Bekannterer Brand = einfacheres Linkbuilding? Oder geht die Rechnung doch nicht so simpel auf?

Schön wäre es, aber ich finde es ist genauso schwer Links für einen Brand aufzubauen als für eine noch unbekannte Seite. Sicherlich gibt es beim Brand den Vorteil, dass die linkgebende Person den Brand kennen könnte und deshalb eher dazu geneigt ist, einen Backlink zu setzen. Es gibt aber auch Personen, die mit der Marke nichts anfangen können und einem keinen Backlink geben. Für mich ging die Rechnung bis jetzt leider noch nicht auf, aber vielleicht kommt das ja noch 😉

 

10. In meinen letzten Interviews mit SEO-Experten habe ich häufig die Frage nach „Content Marketing vs. Linkbuilding“ gestellt. Wie stehst du persönlich zu dieser Debatte?

Ich finde, dass beides zusammen gehört. Nur mit erstklassigem Content können auch Backlinks generiert werden. Für mich gibt es deshalb nicht nur das eine oder das andere. Bevor ich z. B. Inhalte erstelle, definiere ich wofür dieser Content ist. Ist der Content zur Generierung von Links gedacht, erstelle ich Content X und wenn ich beispielsweise Inhalte brauche, die eine Unterseite stärken, dann erstelle ich Content Y.

 

11. Die SEO-Branche hat oft mit Veränderungen und Unsicherheiten zu kämpfen; zum Beispiel die berühmten Google Updates. Wie wirkt sich diese Schnelllebigkeit auf deine eigenen Arbeitsabläufe aus? Wie gehst du mit Veränderungen im Business um?

Für mich ist es besonders wichtig immer auf dem Laufenden zu sein. Ich will und muss wissen, wann ein Update stattgefunden hat um im Zweifelsfall darauf reagieren zu können. Bis jetzt hatte ich aber immer Glück und musste mich deshalb noch mit keinem größerem „Update-Opfer“ beschäftigen. Die Google Updates sind aber sicherlich auch der Grund, warum ich meine Arbeitsweise so ausgelegt habe, wie sie jetzt ist. Ich versuche Webseiten aufzubauen, die nachhaltig gute Platzierungen erzielen können. Dafür verzichte ich gerne auf schnelle Top-Platzierungen. Langfristig und kontinuierlich ist meine Devise.

 

12. Um bei der Praxis zu bleiben, wie gehst du persönlich vor, wenn du deine Erfolge – sowohl aus Content Marketing als auch aus Linkbuilding Strategien- messen und analysieren möchtest?

Zu aller erst definiere ich mir Ziele, z. B. dass ich mit Strategie X die Conversion steigern oder das Ranking verbessern will. Das Ziel ist dabei nicht schwammig formuliert, ich weiß genau, wann ich es erreicht habe. In festen Abständen messe ich dann die Erfolge der Strategie und passe ggf. das Ziel, Zeitraum oder Maßnahmen an. Ganz wichtig sind für mich die Zwischenziele. Sie machen mir die Analyse leichter und sorgen für die nötige Motivation. Es ist schließlich immer schön, wenn man ein Ziel – und sei es noch so klein – erreicht hat 😉

 

13. Wir bieten ein Linkbuilding Tool an, mit dem Linkaufbau übersichtlicher und besser planbar gestaltet werden kann. Hast du bereits Erfahrungen mit contentbird gesammelt und wie gehst du für gewöhnlich bei der Konzeption einer Linkbuilding Kampagne vor? Gibt es hilfreiche Dos & Dont’s die du an unsere Leser weitergeben könntest?

Ich hatte das große Glück, contentbird testen zu dürfen. Dabei ist ein spannender Testbericht zustande gekommen. Wenn ich mehr Budget zur Verfügung hätte, würde ich auch jetzt noch das Tool nutzen. Die Übersichtlichkeit und die Funktionen, die ihr da drin habt, sind wirklich klasse. Wie gesagt, ich habe das Budget nicht, daher nutze ich vor allem Excel um alles im Griff zu behalten. Wenn ich eine Analyse mache, muss ich direkt auf den möglichen Linkgeber gehen. Das hat zumindest den Vorteil, dass ich sofort weiß, ob ich von dieser oder jener Seite einen Link haben will, oder nicht. Das ist von großem Vorteil und irgendwann muss man sich ja eh mit der linkgebenden Seite auseinander setzen 😉 Alles in allem ist es aber schon sehr aufwändig. Mein Tipp fürs Linkbuilding ist eigentlich sehr allgemein, aber umso wirkungsvoller. Bevor ich nach einem Link frage, frage ich mich 3 Sachen:

  1. will ich diesen Link überhaupt haben?
  2. bringt der Link einen Mehrwert für den Leser?
  3. kommen über den Link Besucher?

Erst wenn alle drei Sachen zutreffen, werde ich aktiv.

 contentbird_Sitehunter

Dass sich die Investition in gute Software in jedem Fall lohnt, zeigt schon ein Blick auf eins unserer Lieblingsfeatures, den Sitehunter. 😉  

 

14. Gibt es spezielle Tools, die dich bei der Auswertung deiner SEO-Strategien unterstützen?

Die zwei wichtigsten Tools, die ich zur Analyse heranziehe sind Google Analytics und Webmaster Tools. Hieraus kann man eine Menge ablesen und erste Trends erkennen. Wenn ich also eine neue Strategie teste, dann lege ich mir zuerst ein Ziel fest, welches ich mithilfe der Tools überprüfen kann. Zusätzlich nutze ich gern SEOlytics und zwischendurch Sistrix. Bei internen Projekten habe ich gemeinsam mit unseren Programmieren ein eigenes SEO-Tool entworfen, welches ich speziell für die Onpage-Optimierung nutze.

 

15. Als abschließende Frage: was sind deine Zukunftsprognosen für 2015? Wo wird sich die SEO-Landschaft hinbewegen? Stärkeres Content Marketing oder das viel beobachtete Comeback von (natürlichem) Linkbuilding ?

Was Content Marketing und Linkbuilding angeht, glaube ich, dass diese zwei Punkte noch mehr miteinander verschmelzen werden. Mich würde es freuen, wenn es zukünftig nicht mehr nur das eine oder das andere gibt und die Diskussionen ein Ende haben. Außerdem glaube ich, dass wir uns noch viel intensiver mit User Signals beschäftigen werden. Von der Klickrate in den SERPs bis hin zu Conversions, der ganze Ablauf wird zukünftig immer wichtiger werden. Neben dem Brandbuilding wird dieser Ablauf sicherlich eines meiner Hauptthemen in 2015 werden.

 

Liebe Sabrina, vielen Dank für deine spannenden Antworten, den Ausblick auf das kommende Jahr und die Weitergabe deiner Erfahrung im Bereich Marketing, Branding und der tagtäglichen SEO-Arbeitsabläufe. 

[lb_res_tile ids=62,21,66 title=“Mehr über effizientes Online Marketing“]

Kommentar (1)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.