Nach der großen Fernsehdebatte mit Angela Merkel und Martin Schulz, äußerte Franz Müntefering bei Anne Will eine für mich unheimlich markante Kritik: Eine 90-minütige Debatte im Fernsehen werde einfach keinem der Kandidaten gerecht! Keiner der beiden könne zu Genüge ausführen, worum es ihm tatsächlich gehe, wenn sie alle Statements auf 60 Sekunden herunterbrechen müssen. So könnten sich keine Unterschiede zwischen Schulz und Merkel herauskristallisieren. Genau derselben Meinung bin auch ich. Zwar muss es einem langjährigen Politiker möglich sein, genau das zu leisten, doch sollte es auch Formate geben, in denen er über einen uneingeschränkten Zeitraum darüber reden kann, was er eigentlich erreichen möchte.

Und genau hier kommen Podcasts ins Spiel. Eines der Berühmtesten weltweit ist The Joe Rogan Experience. Ich kann nicht ganz rechtfertigen, warum ich seit Jahren ausgerechnet an einem Podcast hängen bleibe, dass von einem latent machistischen, kiffenden Kampfsportler aus Kalifornien gemacht wird, der noch dazu alle zwei Wochen mit Pfeil und Bogen zur Jagd aufbricht. Aber das Format ist einfach verdammt überzeugend! Prominente Wissenschaftler, Sportler, Schauspieler und Comedians sind regelmäßig in seiner Show und unterhalten sich mit ihm ohne Zeitdruck. Die wenigsten Folgen enden daher nach zwei Stunden. Werbung wird zu Beginn der Show und am Ende gesendet, weswegen es keine nervigen Werbeunterbrechungen gibt. Dadurch entstehen nicht nur echte Unterhaltungen, sondern tatsächlich auch wieder Kontroversen und Debatten. Genau diese lässt ein Format über 90 Minuten im Fernsehen, in denen Floskeln minutiös einstudiert wurden und kaum Zeit zum reflektierten Nachdenken und Nachhaken geboten wird, schlicht nicht zu.

Que Sera, Sera..

2015 landete Barack Obama mit seinem Koloss an Helikopter auf Marc Maron’s Garage, um darin mit ihm eine Folge seines Podcast, The Marc Maron Show, aufzunehmen. Obama war damit sicherlich nicht der erste Politiker, der die Macht hinter diesem Format für sich nutzte, doch garantiert der Bedeutendste. Er erkannte, welche Nähe es zu der Person schafft, die gerade am anderen Ende zuhört. Viele Konsumenten hören Podcasts über mehrere Stunden hinweg und tauchen dabei fast vollständig in die Gedankenwelt des Erzählers ein. Das gesprochene Wort fördert nicht nur eine unheimlich emotionale und persönliche Bindung, sondern verändert das Konsumverhalten von Informationen nachhaltig. Die Tendenz geht dahin, sich wieder tiefgehende Kenntnis anzueignen, echte Differenzen und Meinungen zu hören, um sich selbst eine zu bilden. Eine breite Masse wird daher zukünftig fundiertes Wissen haben, dass sie sich allein durch Zuhören von Debatten und Gesprächen zwischen internationalen Experten angeeignet hat.

Insbesondere Millennials sind sich ihrem Nutzerverhalten online durchaus bewusst. Es wird ganz klar unterschieden zwischen Informationsinput, der möglichst schnell gehen soll, und Input, der tiefgründig und fundiert sein möge. Podcasts sind gerade in dieser Altersgruppe schwer angesagt! Themen, die wirklich interessieren, werden quasi nebenher vermittelt. Man ist nicht gezwungen, stundenlang starr vor einem Bildschirm zu sitzen, wie wild zu recherchieren und zu lesen. Geschichten zuzuhören, fällt Menschen von Natur aus leicht und ist weniger anstrengend, als selbst zu lesen. Noch dazu transportiert die menschliche Stimme mehr Emotionen als das geschriebene Wort. Das wiederum unterstützt das Gehirn dabei, Wissen abzuspeichern. Podcasts können also ganz nebenbei, bei stupiden Beschäftigungen des Alltags laufen, um die wir ohnehin nicht umher kommen. Beim Auto- oder Bahnfahren, Einkaufen oder Sport – man ist völlig uneingeschränkt, in dem was man gerade tut und bekommt gleichzeitig einen tiefen Einblick in die Materie, die tatsächlich von Interesse ist. Und das ganz ohne Werbung oder Zensur!

Fakten Fakten Fakten!

Im April dieses Jahres veröffentlichte die Edison Research die Ergebnisse ihrer umfassenden Umfrage zu Podcasts. Zwei Aspekte davon halte ich für besonders bemerkenswert in Hinblick auf Content Marketing: Mein Gefühl wurde bestätigt, dass es sich tatsächlich um einen Trend handelt, der an Aufschwung gewinnt. Denn die Anzahl der Podcast Hörer stieg im vergangenen Jahr von 21 % auf 24 % Prozent an. Das mögen zwar nur 3 kleine Prozentpunkte sein, aber in Zahlen ist das ein satter Zuwachs an knapp 8,5 Millionen Hörern!


Podcast Statistik von Edisonresearch

Quelle: http://www.edisonresearch.com/the-podcast-consumer-2017/

Und nicht nur das: An dieser Grafik könnt ihr ablesen, was für einen enormen Einfluss Podcasts auf Brand Awareness und Trust haben. 48 % der Konsumenten folgen Firmen auf Social Media Kanälen, im Gegensatz zu 31 %, die keine Podcasts hören. Das heißt, Hörer sind nicht nur eher dazu bereit einer Marke auf Sozialen Netzwerken zu folgen, sondern auch tatsächlich offener dafür, mit ihnen in Interaktion zu treten.

Geht ins Ohr, bleibt im..

Spätestens hier fängt sicherlich euer Potenzial-Alarm an, wie wild zu leuchten! Allein im richtigen Podcast Werbung zu schalten, kann unheimlich lukrativ sein. Sollte das tatsächlich für euch infrage kommen, bedarf es hier ein wenig mehr Sensibilität als üblich. Podcast Hörer sind bezüglich Werbung wahnsinnig verwöhnt! Erst in den letzten beiden Jahren sind Sponsoren so richtig auf dieses Medium aufmerksam geworden. Zuvor haben die meisten Produzenten ihre Podcasts eher als Hobby betrieben und kaum einer konnte seinen Lebensunterhalt damit bestreiten. Damit war es den Hörern möglich, ihre Folge ganz ohne Werbeunterbrechungen genießen.

Dieses Bild hat sich zwar inzwischen geändert, doch bis heute können es sich die wenigsten Produzenten leisten, wie Joe Rogan Werbung ausschließlich am Anfang und Ende einer Folge zu schalten. Der Sponsor will natürlich auch, dass seine Spots gehört werden! In Podcasts zu werben muss also nicht nur sehr kreativ sein, um nicht vom Hörer einfach übersprungen zu werden, sondern zukünftig bestenfalls auch exklusiv. Es ist zwar sicherlich teurer, eine ganze Folge für sich zu beanspruchen, doch dafür könnt ihr euch sicher sein, dass eure Marke das Maximum an Aufmerksamkeit für sich generiert.

Werbung könnte auch nur euer erster Schritt in die neue Welt dieses Mediums sein. Ein eigenes Podcast stärkt die persönliche Beziehung zu euren Kunden, erhöht die Reichweite und ist noch dazu in der Summe kostengünstiger als bloße Werbung! Ihr bekommt direkteren Zugang zu der Zielgruppe, die sich tatsächlich für eure Themen interessiert und im Idealfall werdet ihr nicht allein als Repräsentanten eures Unternehmens wahrgenommen, sondern als waschechte Experten.

Na, konnte ich euch auf den Geschmack bringen?

Falls ihr noch nicht gleich zum Mikrofon greifen wollt und euch doch noch erst mit der Erstellung von neuem Content für euren Blog auseinandersetzt, könnt ihr euch hier unser kostenloses Blog Post Type Template herunterladen. Es hilft euch garantiert dabei, Inspiration für einen frischen neuen Beitrag zu schöpfen!

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