SEO-Agenturen gibt es in der digitalen Marketingindustrie wie Sand am Meer. Aus hiesigen und internationalen Gewässern schreiben sie uns an und präsentieren sich als Wegführer zu den vordersten Plätzen in den organischen Suchergebnissen von Google & Co. Doch ehe man sich versieht, wurden sie schon von der neuesten Flut an Suchalgorithmen-Updates und Branchentrends völlig überrascht und komplett hinweg gespült. Die häufigsten Gründe: veraltete Methoden, mangelnde Kreativität und eine ungesunde Abneigung gegen Diversifizierung und Interdisziplinarität im Marketing Mix.

Doch Online-Unternehmen bleiben weiterhin angewiesen auf kompetente, vielseitige SEO-Agenturen als fachlich versierte Ratgeber im immer härter werdenden Kampf um die Aufmerksamkeit der Zielgruppe und den Erfolg in den digitalen Marketingkanälen. Deshalb stechen vor allem die anspruchsvollen SEO Agenturen positiv hervor, die sich über Jahre hinweg durch ihre steigende Methodenvielfalt, ihre zeitgemäßen, auf Produkt, Unternehmen und Branche maßgeschneiderten Herangehensweisen halten konnten.

Zu diesen modernen SEO Agenturen zählt auch die in Trier ansässige Agentur seo2b, die durch ihre innovativen Marketingkonzepte auf sich aufmerksam gemacht hat. Das über 10 Jahre erfolgreich im Online Marketing aktive seo2b Team aus Marketingexperten, Webprogrammierern, Marketingpsychologen, Konzeptern und SEO-Experten wird vom geschäftsführenden Gesellschafter, von Timo Abid geleitet. Wir baten den SEO-Experten, uns seine Einschätzung zu der aktuellen Vermengung von SEO, Linkbuilding und Content Marketing zu geben…

Tim Abid von seo2b im linkbird Interview
contentbird: Hallo Timo! Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast, uns ein paar Fragen zu beantworten. Lass uns gleich loslegen mit der ersten Frage…

1. Frage: Deine Agentur seo2b blickt auf mehr als 10 Jahre Markterfahrung zurück. Wie hat sich SEO für Euch in den vergangenen Jahren verändert?

SEO2B Logo
Timo Abid: Auf den Content kommt es an. Die Zeiten der reinen, technischen Suchmaschinenoptimierung sind heute endgültig vorbei. Die Signale dafür häufen sich immer mehr. Wenn z. B. langjährige SEOs komplett aus dem Gebiet aussteigen (Long-Time SEO Jill Whalen Moves On, Praises Google For Rewarding Content More), dann muss wohl etwas dran sein. Jills Begründung für den Ausstieg: Eine technische Optimierung sei nicht mehr notwendig, weil Google auch so erkennt, was auf den jeweiligen Seiten steht. Manipulative Techniken verlieren ihre Wirkung bzw. wirken sogar mit Abwertungen auf Websites. Googles Panda- und Pinguin-Updates haben laut Jill (A ‘Look Back’ With Jill Whalen) den Markt bereinigt. Das scheint mir auch der Konsens in unserer Branche zu sein.

Google wird immer besser darin, Content-Signale zu erkennen. SEO-Basics wie die richtigen Keywords zu verwenden, title-Tags und Hierarchien von Überschriften etc. verkümmern immer mehr zu reinen Best-Practices ohne Wirkung. Sie sind zwar immer noch wichtig, die Frage ist aber wie lange noch? Für mich besteht kein Zweifel mehr daran, dass Google tatsächlich sein altes Versprechen „Mach guten Content und wir ranken dich hoch“ langsam einlöst. Aber die Betonung liegt hier immer noch auf langsam.

Das Gleiche gilt auch für die „Bekanntmachung“ der Inhalte, also den Linkaufbau. Auch dieser muss den neuen Qualitätsforderungen von Google gerecht werden. Sonst können sie schnell mehr Schaden anrichten, als Gutes tun.

So gesehen könnte man behaupten, dass Suchmaschinenoptimierung echter bzw. wirklicher werden muss. Außerdem werden auch Einflüsse der User, insbesondere des Userverhaltens, immer wichtiger.

Was sich hauptsächlich verändert hat? Mal eben so gedankenlos in ein Netzwerk einbuchen und kurz danach ranken, das geht leider nicht mehr. (Beziehungsweise geht das schon, wenn man damit einverstanden ist, kurz danach alle Rankings wieder zu verlieren.)

linkbuilding whitepaper

2. Frage: Was sind die Ansprüche, die Kunden heutzutage an SEO-Agenturen stellen. Wie erfüllt Ihr diese Vorstellungen auf eine erfolgreiche Art und Weise?

Timo Abid: Mehr als je zuvor fordern Kunden Transparenz und Nachhaltigkeit. Gleichzeitig soll die Investition aber auch rentabel sein. Das fängt schon mit der Frage an, ob es überhaupt sinnvoll ist, in den Kanal SEO zu investieren. Aus diesem Grund machen wir vor Projektbeginn grundsätzlich eine Vor-Analyse, die die Frage beantworten soll, ob SEO als Kanal wirtschaftlich ist, und wenn ja, dann unter welchen Bedingungen.

In einigen Fällen helfen wir dabei technische Strukturprobleme zu lösen. In den meisten Fällen läuft es aber darauf hinaus, eine passende Content-Strategie zu entwickeln und gemeinsam mit dem Kunden Qualitätsrichtlinien für Content und Links zu definieren.

Danach geht es in die Umsetzung, die wir für den Kunden absolut transparent gestalten. Der Kunde sieht also zu jeder Zeit den Redaktionsplan und weiß, welcher Content wann und wo erscheint.

Es ist von Seiten des Kunden nicht notwendig – will heißen, dass wir das bei Kunden mit entsprechenden Zeitmangel auch ganz alleine hinbekommen –, aber wenn er es wünscht, dann binden wir ihn in den gesamten Content- und Linkaufbauprozess ein.

3. Frage: Was sind für Dich und Dein Unternehmen die entscheidenden Charakteristika für ein modernes, nachhaltiges Linkbuilding?

Timo Abid: Schlicht und ergreifend: Ein Link muss organisch wirken. Die Definitionen hierfür gehen teilweise auseinander, je nachdem, wen man dazu befragt. Eines ist jedoch klar. Um auf der sicheren Seite zu sein, muss man sich an die Google-Richtlinien halten und dafür sorgen, dass Leser mit guten, echten, ehrlichen Inhalten versorgt werden und auch, dass jegliche Links einem entsprechenden Test standhalten. Es kommt darauf an, eine Brücke zwischen redaktionellen Inhalten zu schaffen, die KEINEN werblichen Charakter für ein Produkt, eine Leistung oder Ähnliches aufweist. Links, die auf Produkt- oder Detailseiten verweisen, werden in Zukunft demnach, wenn sie vermehrt auftreten, sehr wahrscheinlich eine negative Wirkung entfalten. Sie sollten daher in einer eher geringeren Dosis eingesetzt werden.

Hier ist dann auch schon der Knackpunkt. Viele Kundenseiten (z. B. Onlineshops) haben gar keine redaktionellen Bereiche, sodass wir für unsere Kunden auch in diesem Bereich zu Beginn eines Projektes erst eine Basis aufbauen müssen.

4. Frage: Im SEO gibt es die Diskussion, ob man nun Linkbuilding oder Content Marketing betreiben sollte. In welchem Verhältnis stehen für Dich Content Marketing und Linkbuilding zueinander?

Timo Abid: Wenn Content-Marketing das Marketing mit Content ist, dann sehe ich gar nicht, wieso hier eine Unterscheidung notwendig ist. Im Linkbuilding nehme ich Content und platziere ihn auf der Kundenwebsite und motiviere andere Menschen, darauf einen Link zu setzen oder ich platziere den Content auf einer anderen Website (z. B. bei Gastbeiträgen, Forenbeiträgen etc) und darin sind dann Links zu Marketing- und Informationszwecken platziert. Also ist Linkbuilding nichts anderes als Content-Marketing mit dem Ziel Links zu generieren.

Der Unterschied zum klassischen Marketing ist, dass Content-Marketing niemals direkt auf eine kommerzielle Leistung oder ein Produkt verweist. Dafür gibt es einen anderen Begriff: Werbung. Nehmen wir ruhig die Definition Eures Interviewpartners Joe Pulizzi, der den Begriff ja bekanntlicherweise vor über 10 Jahren geprägt hat. Auf der Seite What is Content Marketing? lautet die Definition (frei übersetzt):

Content-Marketing ist die Marketingtechnik des Erstellens und Verteilens von relevanten und wertvollen Inhalten an eine klar definierte Zielgruppe, um diese auf sich zu ziehen und sie zu konvertieren – alles mit dem Ziel profitable Interessenteninteraktion zu erzeugen.

Nehmen wir als Beispiel einen Onlineshop für Sportartikel. Nach der obigen Definition ist ein Link auf die Kategorieseite „Adidas“, auf der lediglich Links zu Produktseiten für die verfügbaren Adidas Sportschuhe sichtbar sind, ganz klar als Werbung zu kennzeichnen. Wenn jedoch der Onlineshop eine Infoseite zum Thema Marathonvorbereitung veröffentlicht und dafür Werbung auf Facebook, Twitter macht bzw. Links aufbaut, dann ist das eine Content-Marketing-Maßnahme mit dem ultimativem Ziel, die Marke als Expertin für dieses Thema zu schärfen. Was passiert dann? Marathonläufer finden, lesen und empfehlen den Artikel (klar definierte Zielgruppe) und werden potenziell zu Kunden (oder die Empfehlung führt dazu, dass die Empfehlungsempfänger zu Kunden werden).

Linkbuilding auf Content-Ziele fällt demnach in den Bereich Content-Marketing und Linkbuilding auf kommerzielle Ziele ist im Prinzip Werbung.

5. Frage: Wie organisiert Ihr Eure Linkbuilding- und Content-Marketing-Kampagnen?

Timo Abid: Es ist nicht ganz einfach, dies in wenige Sätze zu pressen, da es sich ja um Dutzende verschiedener Leistungen und Prozesse handelt. Prozesse sind hier das Zauberwort. Wir definieren klare Arbeitsabläufe für die einzelnen Kampagnen-Typen. Es kommt also darauf an. Bei unserem Produkt Wunschlinkbuilding läuft es so ab:

  1. Analyse des Linkprofils
  2. Strategieentwicklung & Redaktionsplan
  3. Erzeugung der Backlinks
  4. Reporting
  5. Monitoring

Die meiste Arbeit liegt hier in der Erarbeitung des Redaktionsplans. Darin wird genau festgelegt, welcher Content den Weg auf die jeweilige Website findet. Was unsere Vorgehensweise hier von anderen unterscheidet, ist der Fokus auf den Content. Wir haben hier in der letzten Zeit eine starke Wandlung hin zu wirklich hochwertigen Inhalten gemacht. Um dies zu erreichen, ist eine intensive Auseinandersetzung mit journalistischen Themen bzw. der Theorie (und Praxis) notwendig.

Weitere Infos und Skizzierung des Ablaufes: http://www.seo2b.de/linkaufbau.html

6. Frage: Was ist Eure größte Herausforderung im Linkbuilding bzw. Content-Marketing?

Timo Abid: Wie gerade angesprochen: Die Qualität der Inhalte ist die größte Herausforderung. Jeder hat so seine eigene Definition davon, was „guter Content“ tatsächlich ist. Während auf Konferenzen über Authorship Markup geredet wird, studieren wir lieber „langweilige“ Bücher wie „Journalistische Textgattungen von Eckart Klaus Roloff“ (1992), da wir glauben, dass ein sauberes Handwerk notwendig ist, um heute auf höchstem Niveau Content-Marketing und Linkaufbau zu betreiben. Wir – als Branche – müssen in diesem Bereich alle besser werden. Dazu müssen wir lernen, was guter Content wirklich bedeutet und können – meiner Meinung nach – technische Trendthemen auch mal weniger im Fokus haben.

7. Frage: Welche Tools verwendet Ihr für welche Aufgaben bei Euren Linkbuilding- und Content-Marketing-Kampagnen?

Timo Abid: Wer braucht schon mehr als contentbird? 🙂

Nein, im Ernst. Wir haben in den letzten Jahren etliche Personenjahre in die Entwicklung eigener Tools investiert. Für eine Handvoll Kunden kann man vielleicht noch mit Excel-Tabellen arbeiten. Aber spätestens wenn eine Agentur „skaliert“ sind viele weitere Tools notwendig und wir haben uns dazu entschieden die meisten Tools intern zu produzieren.

Darüber hinaus nutzen wir die üblichen „Verdächtigen“ wie Searchmetrics, Sistrix, contentbird, LinkResearchTools usw.

8. Frage: Für welche Aufgaben fehlt es Euch noch an brauchbaren Tools?

Timo Abid: Ganz ehrlich? Bei den Mainstream-Tools im Bereich Workflow gibt es immer das Problem, dass sie einem anfangs unter Umständen sehr gut helfen. Sobald sich die eigenen Ansprüche oder Abläufe weiter entwickeln, wachsen die Tools oft nicht mehr mit. Daher sind APIs wirklich wichtig. Grundsätzlich wünsche ich mir von allen Toolanbietern gute Intergrations-APIs. Das macht diese Tools für uns einfach deutlich wertvoller und nützlicher.

Aus meiner Sicht wird sich noch viel Spannendes im Toolmarkt ergeben. Gerade jetzt, wo es immer schwieriger wird, an gute Keyworddaten zu kommen, werden Workflow-Tools wie contentbird immer wichtiger. Statt den ganzen Tag zu analysieren, gewinnt das „Erledigen von Arbeit“ wieder mehr an Bedeutung. 🙂

9. Frage: Worin siehst Du die Zukunft im SEO? Welche Rolle spielt dabei das Linkbuilding?

Timo Abid: Für mich liegt die Zukunft im SEO in der Professionalisierung der Contenterschaffung und der Kommunikation. Mit Content kommunizieren und so Marketingziele erreichen; das nennt man auch Content-Marketing. Die Frage wie Content-Marketing dabei unterstützen kann die Sichtbarkeit in den Suchmaschinen zu erhöhen, kann man mit einem Wort beantworten, mit Linkbuilding. Das wird sich trotz Social & Co. auch lange nicht ändern.

contentbird: Dank Dir für das erhellende Gespräch, Timo!

Weiterführende Literatur zu SEO, Linkbuilding und Content Marketing :

  1. Linkmanagement in der Praxis
  2. Nachhaltiges SEO mit Content Marketing
  3. Recherche für qualitatives Linkbuilding
  4. Intelligentes Seeding fürs Content Marketing
  5. Linkbuilding für Online-Shops
  6. 5 Steps zum perfekten Linkbuilding

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