Ob ein Text gut oder schlecht ist, entscheiden wir oft, ohne zu wissen warum. Doch diese Einschätzung hängt nicht vom subjektivem Eindruck ab. Auch Schreiben hat Regeln. Gute Texte sind nicht beliebig nach Gefühl aufgebaut, sondern nach Strukturen. Wer diese kennt und sie beachtet, tut vor allem seinen Lesern etwas Gutes. Sicher, ein Roman hat einen anderen Stil als ein journalistischer Artikel, ein Geschäftsbericht einen anderen als ein Vergleich des Ontologiebegriffes bei Kant und Heidegger. Dennoch gibt es Regeln, die auf alle diese Stile angewendet werden können. Es soll hier aber nicht um Techniken gehen, die auf alle Textformen angewendet werden können, sondern darum, wie ihr einen Text schreibt, den Internetnutzer ansprechend finden. Dazu gehören in erster Linie Blogbeiträge, Texte für Produkte und Dienstleistungen, aber auch Texte für Twitter, Facebook und Co.

 

Egal ob Buch oder Website, auch beim Texten fürs Web sollten einige Grundregeln beachtet werden.

 

I. Wann ist ein Webseitentext ein guter Text?

Lesen hinterlässt im Hirn Spuren, oftmals mehrere Stunden lang. Ein guter Text, „massiert“ das Gehirn, der Leser erinnert sich vielleicht noch Tage oder Jahre danach an diesen Text. Macht ein Experiment: Dokumentiert wie viele Texte ihr am Tag lest und wie viele davon noch am nächsten Tag im Gedächtnis sind. Sofern euer Tagesablauf nicht aus dem Lesen spannender Romane besteht oder ihr gerade für eine Prüfung lernt, werden es nur wenige Texte sein. Kurz gesagt: Euer Text muss mit einem ganzen Haufen anderer, guter Texte im Internet konkurrieren.

 

II. Tipps für den Ausdruck

1. Kurze Sätze! Wenig Nebensätze!

Liest man Texte ungeübter Schreiber, kann man mit Sicherheit immer und in jedem Satz ein Komma in einen Punkt umwandeln und die Hälfte der Wörter ersatzlos löschen. Faustregel: Liest man den Satz laut vor und muss einmal (1x) Luft holen, ist der Satz zu lang. “David Robertson, nicht nur ein bravouröser Techniker, der, wie in Elliot Carters Doppelkonzert für Cembalo, Klavier und zwei Kammerorchester erforderlich, auch schon einmal zwei geradezu vertrackt unabhängige Tempi zugleich dirigieren muss, ist ein ebenso feinfühliger Modellierer des Klangs, der hier und in Cohnlohn Nancarows “Piece No. 2″ für kleines Orchester die gelegentliche Rigidität der Partituren hörgerecht und brillant zuzubereiten versteht.“ Aus: Schneider, Wolf; Raue, Paul-Josef: Das neue Handbuch des Journalismus. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2003. S.197

2. Schreibt im Aktiv!

Das Passiv lassen wir juristischen Texten. Etwas, das verdreht worden ist, bleibt weniger im Kopf, als etwas das ich verdrehe. Wir können uns mit handelnden Subjekten eher identifizieren, als mit etwas, das ge- oder be- handelt worden ist „Die Webseite wird von uns geprüft“ ↔ „Wir prüfen die Webseite“. „Die Domain wurde durch das Panda-Update getroffen.“ ↔ „Das Panda Update traf die Domain.“.

3. Vermeidet Füllwörter.

Leider kommt das immer wieder vor: Man schreibt wie man redet. Niemand sollte so schreiben wie er redet. Wer aufpasst, merkt dass die meisten Menschen beim Reden andauernd Füllwörter verwenden, von den „Ähs“ ganz zu schweigen. Eine Liste findet ihr im Schreiblabor (https://www.schreiblabor.com/orthography/filler/) oder in diesem Google Doc: https://docs.google.com/document/d/1cSvjxVVlOVnP0NqhuiHfleUeHBrzYctGm5HJ-F7iY-s/edit?pli=1 Klassische Füllwörter sind bspw.: „auch“, „aber“, „allerdings“, „gewiss“, „zumeist“. Nicht alle Füllwörter sind schlecht, oftmals benötigt man ein Füllwort um den Lesefluss aufrecht zu erhalten. Als Faustregel gilt: Identifiziert die Kerninformation eines Satzes, und fragt euch ob diese Information noch da ist, wenn ihr das Füllwort wegnehmt.

4. Schreibt klar und verständlich.

Schwieriges Dilemma. Unmittelbare Nähe. Strittige Auseinandersetzung. Endgültiges Ergebnis. Persönlicher Freund. „Die meisten Opfer der Hitzewelle waren ältere Bürger, und alle erlagen der Hitze, nachdem ihre Körpertemperatur auf extrem gefährliche Werte anstieg“. „Soweit ich es beurteilen kann, ist es nun soweit, dass es der Seite wieder gutgeht.“ Sagt ihr in zwei Sätzen, was auch in einen passt? Kann man einen Satz so umstellen, dass kein Komma mehr notwendig ist? Verändert sich der Sinn, wenn Adverbien gestrichen werden? Diese Fragen können helfen, um Beispiele wie oben zu vermeiden. Es gibt noch mehr Tipps und Tricks zum guten schreiben, die obigen vier sollen nur die meiner Ansicht nach wichtigsten darstellen. Wer sich weiter informieren will, dem empfehle ich : „Schneller, besser, kürzer: Professionell schreiben“, von Valentin Zahrnt. Speziell für Content Marketing im Netz ist „Think Content! Content-Strategie, Content-Marketing, Texten fürs Web“, von Miriam Löffler sicher ein Standardwerk.

 

III. Aufbau und Themenfindung von Website Content.

Ein geiler Text der „ins Hirn knallt“ (Karl Kratz), muss: – einfach – verständlich – und bildlich geschrieben sein. Das hört sich nicht so fetzig an wie das Zitat Kratz`, aber ohne diese drei Säulen ballert kein Text ins Hirn. Und wenn doch, dann nicht in der Weise die wir haben wollen. Der Anfang: Muss den Leser mitreisen. Klar, Überschriften wie „10 Dinge / 5 Tipps /etc“ geben statistisch hohe Klickraten – wer aber nach der Überschrift enttäuscht, hat den Leser verloren. Daher muss die Einleitung genau so „geil“ sein wie die Überschrift. Ein Beispiel für Holzliegestühle: „Kennen Sie das knarrende Geräusch eines alten Liegestuhls? Wie es sich anfühlt über eine seit Jahren im Freien stehende Holzgarnitur zu fassen? Andere Frage: Sie kennen den Unterschied wie es sich anfühlt, sich auf einen Plastikstuhl zu setzen oder auf einen Holzstuhl. Erinnern Sie sich?“ Diese Einleitung „ballert“ aus einem Grund: Sie spricht die Erinnerung und das Vorstellungsvermögen des Lesers an. Sie regt sein Hirn an, massiert und stößt es weg vom passiven konsumieren, hin zum aktiven mentalisieren. Das ballert. Immer. Wenn sich der Leser selbst diese Fragen stellt, habt ihr ihn schon auf eurer Seite.

Aber was wenn wir wirklich über Gartenstühle oder Winterjacken schreiben? Wir sammeln Ideen, hier am Beispiel der Winterjacke eines Online-Shops: – Was ist besonders? – Wo trägt man sie? – Was kann man kombinieren? – Wie ist die Verarbeitung? – Welches Material? – Was mach ich damit überhaupt? Wieso brauch ich die? Nach der Ideensammlung, behält man das Profil und die spezifischen Anforderungen des Kunden im Kopf und: – erstellt ein Grundgerüst – schreibt alles, wirklich alles auf was euch eingefallen ist. – fragt euch, was alles drin sein soll und streicht wahrscheinlich die Hälfte – Feinschliff – benutze ich Füllwörter? Sind meine Sätze zu lang? Kann ich es lebendiger schreiben? Ist der Text informativ – also wirklich informativ?

 

Fazit: Guter Content ist kurz, prägnant und lebendig.

Natürlich solltet ihr nicht beim Schreiben in jedem Satz die Wörter zählen und krampfhaft jede Regel anwenden. Text sollte nicht in ein Korsett gezwängt werden. Vielmehr sind dies alles grundlegende Tipps an denen man sich orientieren kann. Oft hilft es nämlich schon den eigenen Text laut vorzulesen und auf Atempausen zu achten. Im Vordergrund sollte immer der Leser stehen. Bekommen eure Leser interessante Informationen und sind diese auch noch flüssig zu lesen? Perfekt!

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