Es wird Zeit, dass wir uns eine Sache eingestehen. Nein, ich korrigiere, nicht nur uns, sondern auch unseren Kunden, Partnern und Konkurrenten. Keine Frage, so einfach ist es nicht, vor die Menschen zu treten und erhobenen Hauptes zu sagen: Ja, ich habe Angst!

Ich habe Angst zu versagen, Angst mich zu blamieren und Angst nicht gut genug zu sein. Ich habe Angst, dass die Welt meine Unsicherheit spürt und ich habe Angst davor vom Social Web überrannt zu werden. Und nein, es sind nicht die Gedanken eines frisch gebackenen Bloggers, es ist das Gefühl, mit dem jeder Thought Leader in der Früh aufsteht und nachts zu Bett geht.

Wenn es dein Ziel ist Thought Leader in deiner Branche zu werden bzw. zu bleiben – und davon gehe ich aus, wenn du diesen Artikel liest – dann musst du dich jetzt diesen Ängsten aktiv stellen.

In diesem Beitrag erfährst du,

  • warum Angst zum Erfolg dazugehört,
  • an welcher Stelle du sie dir bewahren solltest,
  • an welchen Stellen du deine Angst ablegen musst, um Thought Leader zu werden und
  • was einen wahren Thought Leader ausmacht.

Thought Leader schauen ihren Ängsten ins Auge.

Angst gehört dazu

Die Angst gehört zum Erfolg dazu, wie der Daumen zu Facebook. Ob es nun die Angst vor dem Erfolg selbst ist, die Ängste, die uns auf dem Weg zum Erfolg begleiten oder nur subjektive bzw. eingebildete Ängste, sie sind alle ganz normal und fördern zu einem bestimmten Grad das Erreichen deiner Ziele.

Es stimmt, es ist hart an der Spitze zu stehen, wo jeder deiner Schritte genau unter die Lupe genommen und jedes deiner Worte auf die Waagschale gelegt wird. Die Größe eines echten Leaders zeigt sich aber genau an diesem Punkt: Sich seiner Ängste und der potenziellen Gefahren bewusst zu sein und dennoch den Mut und die Kraft aufzubringen, den eigenen Weg zu gehen. Wichtig ist, sich von den eigenen Ängsten nicht lähmen zu lassen, sondern täglich an sich zu arbeiten. Perfektion gibt es nicht.

Viele Ängste werden sich dabei in Luft auflösen oder du wirst sehen, dass die Realität bei Weitem nicht so schlimm ist, wie du sie dir ausgemalt hast. Dennoch, es gibt eine Angst, die du dir immer behalten solltest: das Lampenfieber.

Viele Schauspieler, Musiker und Künstler sagen in Interviews immer wieder, dass sie das Lampenfieber nie wirklich loswerden und das ist gut so. Davon sollten auch wir uns leiten lassen. Warum? Sobald du kein Lampenfieber mehr hast, unterschätzt du die Aufgabe, vor die du gestellt wurdest. Du bereitest dich nicht mehr umfangreich vor, du empfindest deine Position als “business as usual” und bringst deiner Zielgruppe nicht den nötigen Respekt entgegen.

Im Grunde ist diese Haltung das einzige, wovor du tatsächlich Angst haben solltest, denn sie ist der Anfang vom Ende. An alle anderen Ängste kannst du ruhig herangehen und sie als jene Missverständnisse enttarnen, die sie auch sind.

Angst vor Dialog und Diskussion

Das ist ein Klassiker unter den Ängsten zukünftiger Thought Leader, ganz besonders, wenn sich ihre Meinungsführerschaft im Social Web herausbilden soll. Wir alle kennen das “Märchen” des Mitmach-Webs und die Tatsache, dass im Social Web jeder und jede eingeladen ist, aktiv an Gesprächen teilzunehmen. Die Netzgemeinde kommentiert, lobt und kritisiert, wie ihr der Schnabel gewachsen ist – und das macht Angst.

Du kennst mit Sicherheit die 90-9-1-Regel des Dänen Jakob Nielsen und weißt daher auch, dass dich keine Schar von diskussionswütigen Usern erwarten wird. Dennoch, als Thought Leader handelt und denkt man an den Grenzen des bisher Machbaren und bietet dadurch mehr Angriffsfläche. Das stimmt. Aber, was ist die Alternative? Still sitzen und nichts tun?

Trau dich mit neuen Denkmustern, Initiativen und provokanten Statements an die Öffentlichkeit. Bekräftige sie mit fundierten Daten aus deiner harten, täglichen Arbeit. Erstelle Prognosen, beziehe Stellung, wirf Fragen auf, denn genau das ist die Aufgabe eines Thought Leaders. Wenn du das nicht tust, bist du kein Leader sondern immer nur (guter) Durchschnitt.

Angst Wissen zu teilen

Wissen ist Macht…bla, bla, bla, wie oft haben wir das schon gehört?! Und ja, es stimmt und wird auch immer so bleiben. Wer Wissen besitzt, hat die Macht Unwissende zu manipulieren, zu lenken und zu unterdrücken. Die Frage, die du dir hier stellen musst ist, willst du Macht oder willst du Autorität? (Überlege dir dabei aber gut, ob dein Wissen ausreicht, um Macht über andere zu haben. 😉 )

[Tweet „Was willst du erreichen: Macht oder Autorität?“]

Der Umgang mit Wissen hat sich im Social Web, und das ist unbestritten, massiv verändert. Wissen ist innerhalb der Netzgemeinde frei verfügbar, wird geteilt und gemeinsam erstellt. Es zurückzuhalten macht keinen Sinn, da dasselbe Wissen nur einen Klick entfernt ist – nur eben bei einem anderen “Anbieter”.  Es geht hier nicht darum Geschäftsgeheimnisse lauthals ins Social Web zu schreien. Es geht darum, zu zeigen, was du kannst, was deine Expertise ist. Es geht darum zu zeigen, dass du die Bedürfnisse deiner Zielgruppe ernst nimmst und die Meinung anderer wertschätzt.

Ein echter Thought Leader stellt nicht sich in den Mittelpunkt seiner Bemühungen, sondern seine Dialoggruppe. Wie kann ich dir konkret helfen? Welches Wissen brauchst du, um deine Ziele zu erreichen? Wenn du die Antworten zu diesen Fragen umsetzt, wirst du sehen, warum beispielsweise Content Curation, also das Zusammenstellen und Kuratieren fremder Inhalte, positiv auf dein Image und deine Positionierung wirkt.

Angst vor der Konkurrenz

Es gibt überhaupt keinen Grund dafür, sich vor deiner Konkurrenz zu fürchten und ich meine das absolut ernst! Bist du überzeugt von der Qualität und der Sinnhaftigkeit deines Produktes und deiner Dienstleistung? Tust du alles, um deine Kunden zu begeistern und jene Bedürfnisse zu erfüllen, die in deiner Macht stehen? Ja? Dann verstehe ich deine Angst tatsächlich nicht und hier ist warum.

[Tweet „Es gibt keinen realen Grund für Angst vor der Konkurrenz.“]

Löse dich von der Idee, dass dir der Mitbewerb die Kunden wegnimmt. Er kann sie dir nur dann wegschnappen, wenn erstens dein Produkt nicht hält, was es verspricht (und das haben wir ja oben bereits ausgeschlossen) oder zweitens, deine Positionierung nicht klar ist und du damit keine genaue Zielgruppe hast. Beide Gründe sind aber vollkommen unabhängig von der Konkurrenz und lassen sich durch gezielte Arbeit an dir selbst korrigieren.

Kanalisiere die Energie, die du bisher an Konkurrenzdenken vergeudet hast, lieber in den Ausbau von Netzwerken – ja auch zu deiner vermeintlichen Konkurrenz. Wenn du dir über deine Positionierung bewusst bist, dann sollte dein Kundenservice nicht bei deinen Dienstleistungen enden. Im Sinne des Kunden zu handeln bedeutet nämlich auch, sich der Grenzen des eigenen Produktes bewusst zu sein und auf weiterführende bzw. alternative Produkte verweisen zu können!

Nehmen wir an du verkaufst biologisch angebaute Lebensmittel der Region und lieferst im Sinne ökologischer Nachhaltigkeit nur zu bestimmten Zeitintervallen und/oder in einem begrenzten Liefergebiet. Eines Tages erreicht dich eine Mail mit der Frage, ob ein Versand ausnahmsweise auch zum Ort XY möglich wäre. Wäre es nicht sowohl für dich als Unternehmen als auch für den Kunden besser, wenn du auf einen Partnerbetrieb in seiner Nähe verweisen könntest? Der Kunde wäre glücklich und du hättest einen Geschäftspartner, der in ähnlichen Situationen ebenfalls auf dich verweisen würde. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten ist möglich, wenn sich die Partner über ihre Kompetenzen und deren Grenzen im Klaren sind.

Anstatt dich also vor der Konkurrenz zu fürchten, macht es mehr Sinn diese Energie für Kooperationen und Beziehungsaufbau einzusetzen. Und selbst wenn dieses eine Unternehmen exakt dieselbe Zielgruppe hätte, kannst du kapazitätsbedingt unmöglich alle potenziellen Kunden bedienen. Falls deine Nische wirklich so klein ist, dass das möglich wäre, verweise ich dich auf die anfangs formulierte These: Wenn dein Produkt wirklich gut ist, die Qualität, dein Einsatz und deine Bereitschaft, den Kunden glücklich zu machen, vorhanden sind, wirst du dich über längere Zeit als echter Leader durchsetzen. Punkt.

Fazit: Was einen Thought Leader ausmacht

Wenn du bis hierher gelesen hast, weißt du, was einen echten Thought Leader ausmacht. Falls du wegen deines strapazierten Zeitbudgets gleich zum Fazit übergegangen bist, kann ich dir eine komprimierte Version dieses Artikels anbieten. Sie lautet:

Thought Leader zeichnen sich dadurch aus, dass sie produktiv mit ihren Ängsten umgehen und reale von imaginären Ängsten unterscheiden können. Sie bauen sich durch ihr Handeln Autorität auf und tragen gleichzeitig dazu bei, das Beste aus ihrer Dialoggruppe herauszuholen. Echte Thought Leader beziehen Stellung, übernehmen Verantwortung und verstehen, dass sie einzig aufgrund ihrer Anhänger zu ihrem Leadership berechtigt sind. Die einzige Angst, die sie niemals ablegen dürfen, ist die Ehrfurcht vor ihren Dialogpartnern.

Überwache jetzt Deine Marke und die Deiner Konkurrenten…

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